Ein kritischer Kommentar zu der Sprache im Audiowalk

Einen Teil der Gewerbeausstellung machten die Völkerschauen aus, die wie alle anderen dieser Art lediglich dazu diente, die Ideen und das Weltbild der Kolonisatoren zu belegen. Das rassistische Denken war damals in der Sprache sowie in der Gesellschaft stark verankert und wurde durch Völkerschauen, immer wieder bestätigt. Auf der Berliner Gewerbeausstellung wurden in den „Eingeborenendörfern“ 106 „Darsteller“ dem Publikum vorgeführt. Die Männer, Frauen und Kinder kamen aus den ehemals deutschen Kolonien Togo, Kamerun, Neu-Guinea, Deutsch-Ost-Afrika und Deutsch-Südwestafrika. Die zu Statisteninnen degradierten mussten Tätigkeiten ausüben, die nichts mit ihrem Leben zu tun hatten. Während der Ausstellung wurden sie außerdem zum Forschungsgegenstand des Ethnologen Felix von Luschan, als er an ihnen Körper- und Schädelvermessungen vornahm. Die Völkerschau wurde als Kontrastbild zum angeblich zivilisierten und fortschrittlichen Westeuropa inszeniert. Auch die Sonderausstellung „Kairo“ sollte einen Gegensatz zu dem auf der Ausstellung präsentierten, technischen Fortschritt zeigen. Auf diesem Weg wurde eine Vorstellung europäischer Überlegenheit produziert und manifestiert. Mit Begriffen wie „Schutzbefohlene“ oder „Eingeborene“ oder dem N-Wort, bedienen sich Hans, Julius, Clara und die Besucherinnen der Kolonialausstellung einer von West-Europäern eingeführten, rassistischen Sprache. So stellt zum Beispiel der Begriff „Schutzbefohlene“ die Kolonisierten als hilfsbedürftige Menschen dar, die des „Schutzes“ der deutschen Kolonialherren bedürfen und verschleiert die gewalttätige Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen. Von den Völkerschauen ist heute im Treptower Park nichts mehr zu sehen. Aber die Kolonialgeschichte hat ihre Spuren in den Köpfen und auch im Berliner Stadtbild hinterlassen. Sie treten beispielhaft zutage in den Debatten um ethnologische Sammlungen oder um Straßennamen, die noch immer Kolonialherren ehren.